Agieren oder Reagieren? Ein entscheidender Unterschied!

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Schon der Name des E-Mail-Absenders lässt Ihren Puls in die Höhe schnellen. „Das ist doch dieser cholerische Kunde! Bestimmt wieder eine Beschwerde! Dem werde ich was erzählen!“

Der Projektleiter der Task Force kommt zerknirscht zu Ihnen und beichtet, dass sein Projektteam die Deadline schon wieder nach hinten verschieben muss. Zum dritten Mal! „Das kann ja wohl nicht Ihr Ernst sein! Dann klemmen Sie sich gefälligst dahinter und sorgen Sie dafür, dass es läuft! Vielleicht sollte ich mir das mit Ihnen generell noch einmal überlegen!“

Gestresst von einem anstrengenden Tag kommen Sie nach Hause und sehen: der Abwasch ist nicht gemacht, die Garderobe immer noch nicht repariert. Sie sind noch nicht ganz durch die Tür, da sind Sie Ihrem Mann in Gedanken schon an die Kehle gesprungen.

So viele Ausrufezeichen, so viel Ärger. Diese Liste von Beispielen lässt sich beinahe endlos fortsetzen. Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass wir in vielen, insbesondere in emotional aufgeladenen, Situationen nicht mehr in der Lage sind, zu agieren? Wir reagieren nur noch. Auf einen Eindruck, ein Erlebnis, einen Auslöser. Reaktion statt Aktion – das macht einen großen Unterschied. Auf einen bestimmten Reiz folgt postwendend eine vorprogrammierte Reaktion – dazwischen ist kein Raum mehr für einen bewussten Gedanken.

In diesem Modus laufen wir auf Autopilot. Der friedfertigste Mensch kann dann innerhalb von Sekunden unkontrolliert aus der Haut fahren, wenn ihm jemand falsch in den Weg kommt. Diese automatische Wut ist keine Entscheidung, sie ist eine unbewusste Reaktion – und sie ist gefährlich, beispielsweise, wenn ein Autofahrer getriggert durch das Verhalten eines anderen Verkehrsteilnehmers „ausrastet“. Road Rage nennt man das – oft tödlich für alle Beteiligten.

Der Ausweg aus dem Autopilot und seinen fatalen Reiz-Reaktions-Ketten? Bewusstheit! Sie führt uns aus der Re-aktion in die Aktion.

Niemand kann Ihnen ein Gefühl machen

Der erste Schritt, um einen Raum zwischen Reiz und Reaktion zu schaffen, ist, den Reiz und Ihre Reaktion darauf zu erkennen (recognition), sie bewusst wahrzunehmen. Das klingt einfach, braucht aber sehr viel Übung, denn Sie müssen lernen, wirklich präsent zu sein im aktuellen Moment: Was nehmen Sie im Außen wahr, mit welchen Emotionen, Gedanken und Bewertungen reagieren Sie? Meditation ist ideal, um diese Kompetenz zu trainieren.

Im nächsten Schritt geht es darum, die aktuelle Realität zu akzeptieren (acceptance). Das ist alles andere als banal, vor allem, wenn Sie mit dieser Realität nicht einverstanden sind. Dann gilt es, auch das zu akzeptieren – durchaus eine Herausforderung.

Nur über Bewusstheit und Akzeptanz gelangen Sie zum dritten Schritt, der Erforschung (inquiry) Ihrer Emotionen, Gedanken und Bewertungen auf den äußeren Reiz. Sie schauen sozusagen tiefer in sich selbst hinein. Was geschieht da in Ihnen, was genau löst dieser Reiz in Ihnen aus, wieso reagieren Sie so stark auf bestimmte äußere Einflüsse?

Ich verrate Ihnen auch direkt ein Geheimnis: Es ist nicht der andere, der Ihre Wut auslöst – weder der ignorante Partner, noch der unfähige Mitarbeiter und auch nicht der idiotische Autofahrer vor Ihnen. Niemand außer Ihnen „macht“ Ihre Wut. Mehr noch, niemand kann Ihnen ein Gefühl machen. Es ist immer Ihres. Schauen Sie mal genauer hin, der wahre Auslöser Ihrer Wut findet sich in Ihnen:

  • Die Angst, dass die eigene Arbeit nicht gut genug ist.
  • Das Bedürfnis, als Autorität wahrgenommen und anerkannt zu werden.
  • Das Gefühl der Überforderung und gleichzeitig die Unfähigkeit, um Hilfe zu bitten.
  • Die Angst, im Stich gelassen oder verlassen zu werden.
  • Oder schlicht und banal: der Streit mit dem besten Freund, der schon seit Wochen unterschwellig in Ihnen schwelt.

Die Befreiung: Erweitern Sie Ihr Sortiment

Wenn Sie nun beides – den äußeren Reiz und Ihre Reaktion darauf – besser kennen, dann geschieht etwas Erstaunliches. Während zuvor Reiz und Reaktion quasi eins waren, tut sich nun ein Raum dazwischen auf: „Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit.“ Dieses Zitat von Viktor Frankl bringt es auf den Punkt.

Mit Bewusstheit, Akzeptanz und Erforschung kommen Sie zum vierten Schritt: der Befreiung (non-identification) vom Regiment der unbewussten Reiz-Reaktions-Automatismen. Jetzt erkennen Sie, dass Sie nicht Ihre Gedanken und Emotionen sind. Diese entstehen in Ihnen, Sie können aber entscheiden, wie Sie mit ihnen umgehen.

Jetzt haben Sie die Macht über Ihre Gedanken, Emotionen und Muster – nicht andersherum. Sie können bewusst entscheiden und frei wählen, wie Sie agieren – sei es bei Mails und Deadlines im Job, dem Abwasch daheim oder im Straßenverkehr.

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